Was Minu kann, kann ich auch. So.
Dienstag, 30. Dezember 2008
Dienstag, 23. Dezember 2008
Ich torkle durchs Abteil. Die Stiefel haben viel zu hohe Absätze, um damit elegant durch einen ICE zu stolzieren, der sich grade durch die langen Tunnel Hessens windet und ächzt. Von meinen flachen Stiefeln ist mir heute morgen der Absatz abgefallen. Panik. Ich brauche die für Weihnachten und bin grade aufm Weg zum Bahnhof! Die *Russen* (Achtung, Leitmotiv) im Schuhmacherladen in der Passage drüben hab ich mit viel Klimperklimper dazu gekriegt, mir die Stiefel sofort zu reparieren. Ich hab ihnen dafür eine Packung Merci geschenkt. Sie haben sich so sehr gefreut, dass ich traurig wurde. Kriegen sie denn sonst nie Merci? Zum Stiefelwechseln hatte ich nach der Reparatur keine Zeit. Also weiter in den High Heels.
Im Zug fangen kurz hinter Mannheim immer alle an, krassestes Schwäbisch zu sprechen. Warum alle? Dürfen Nichtschwaben oder Rei`gschmeckte in Baden-Württemberg gar nicht Zug fahren? Selbst die gutaussehenden Herren in ihren Nadelstreifenanzügen wirken plötzlich bieder.
Irgendwie werd ich glaub krank. Der Hals tut weh, die Nase kribbelt. Post-Party-Syndrom oder Erkältung? Krank zuhause sein war früher immer schön: man kriegte zu essen, was man wollte, lauter Zeitschriften, Fernsehen. Essen, was ich will, gibts immer noch. Zumindest offiziell. Aber ich muss es meist selbst kochen. Zeitschriften gibt es nach wie vor en masse. Ich fange an, mich durch die letzten 12 Ausgaben der BUNTE zu lesen, äh, gucken. Auch der Boris ist wieder Single. Traurig. Trotz seines Namens ist er kein Russe (des Leitmotivs wegen musste das erwähnt werden). Und wieder eine Sandy mehr aufm Heiratsmarkt. Nur Heidi Klum gebärt fröhlich vor sich hin.
Die Plastiktanne steht. Ich hab mich immer noch nicht dran gewöhnt. Sie sieht perfekt aus, nur die Spitze bleibt krumm, wir kriegen das einfach nicht gerade hingebogen. Hm, fast so wie die Natur: unberechenbar. Nur riecht der Baum gar nicht. Nach nix. Nadeln tut er dennoch. Seltsam. Mit Strohsternen und Goldkugeln sieht er ganz schön aus. Aber Plastik bleibt Plastik. Ich bin da konservativ.
Wieviel Ragout Fin braucht man für die Pasteten? Ein Drama beginnt. Die zwei Dosen reichen doch nie und nimmer! Aber mehr gibt es nicht von der teuren, der *guten* Firma. Mischen mit der Billigware? Was wird die Oma sagen, wenn sie hört, dass da Geflügel drin ist? Die Oma isst doch kein Geflügel! Egal, sie merkt auch nie, wenn ich Knoblauch ins Essen tue. Obwohl das doch nur Russen essen, sagt die Oma.
Der Vater ist kurz irritiert, weil die Töchter sein Klingeln des Morgens nicht sofort erhören, weil sie sich fönen. Und er ist doch so hungrig, normalerweise frühstückt er ja viiiiel früher. Ja, die Kinder sind wieder daheim. Mit ihnen das ganze Chaos einer Großfamilie. Alle versuchen, es zu genießen. Es wird über Eierkochzeiten diskutiert und kurz über Steuererklärungen. Kinder, ist das Leben schön.
Die Oma hat nachmittags Besuch von einer alten Bekannten. Diese redet in schwindelerregend kurzer Zeit über mich als Kind (*d`K. hat net mit annam jedm gschprocha, nei nei,, nur mit adenen, die sie wirklich gmocht het, die konnt a ganz schön Schture sei - ganz andersch wia d`Kloine, die hat oifach immer gschtrahlt* - ich bin K. ...) geredet, dann über die Bombennächte 1945 (*ond plötzlich lag dia ganz Familie moiner Freundin dooood da, wissetse, alle doood*) und über Erbschleicher in der Familie (*hah, moi Kusiiiiin isch des - aber beim Geld isch Schluss mit luschtig, gell?*), und jedem Satz schob sie ein grelles Lachen nach. Ich flüchte in den Supermarkt, um die Ragout Fin-Frage zu klären.
Entschleunigung. Auf einem riesigen PC-Ungetüm versuche ich, mich wie einst zu Grundstudiumszeiten mit dem Smartsurfer ins Internet einzuwählen. Erst die Oma anrufen und checken, ob mit ihr alles okay ist. Denn beim Surfen wird die Telefonleitung tot sein. Das Modem jault. Modem. Auch so ein Wort, das aus unserem Sprachgebrauch verschwinden wird. Wie einst Bollerwagen, Schlauchmilch, Zehnpfennigstück und Kassettenrecorder. Während ich mich die folgende halbe Stunde lang auf GMX einlogge, koche ich mir einen Tee, nähe eine Naht an meiner Hose und studiere das Kinoprogramm für Heiligabend. Beim Surfen in Berlin schaffe ich es noch nicht mal, nebenher die Waschmaschine auszuräumen.
Naomi Campbell ist jetzt mit einem reichen Russen zusammen, sagt die BUNTE. Seinen Namen hab ich schon wieder vergessen. Er hieß weder Putin noch Jelzin. Aber er ist Russe.
Im Zug fangen kurz hinter Mannheim immer alle an, krassestes Schwäbisch zu sprechen. Warum alle? Dürfen Nichtschwaben oder Rei`gschmeckte in Baden-Württemberg gar nicht Zug fahren? Selbst die gutaussehenden Herren in ihren Nadelstreifenanzügen wirken plötzlich bieder.
Irgendwie werd ich glaub krank. Der Hals tut weh, die Nase kribbelt. Post-Party-Syndrom oder Erkältung? Krank zuhause sein war früher immer schön: man kriegte zu essen, was man wollte, lauter Zeitschriften, Fernsehen. Essen, was ich will, gibts immer noch. Zumindest offiziell. Aber ich muss es meist selbst kochen. Zeitschriften gibt es nach wie vor en masse. Ich fange an, mich durch die letzten 12 Ausgaben der BUNTE zu lesen, äh, gucken. Auch der Boris ist wieder Single. Traurig. Trotz seines Namens ist er kein Russe (des Leitmotivs wegen musste das erwähnt werden). Und wieder eine Sandy mehr aufm Heiratsmarkt. Nur Heidi Klum gebärt fröhlich vor sich hin.
Die Plastiktanne steht. Ich hab mich immer noch nicht dran gewöhnt. Sie sieht perfekt aus, nur die Spitze bleibt krumm, wir kriegen das einfach nicht gerade hingebogen. Hm, fast so wie die Natur: unberechenbar. Nur riecht der Baum gar nicht. Nach nix. Nadeln tut er dennoch. Seltsam. Mit Strohsternen und Goldkugeln sieht er ganz schön aus. Aber Plastik bleibt Plastik. Ich bin da konservativ.
Wieviel Ragout Fin braucht man für die Pasteten? Ein Drama beginnt. Die zwei Dosen reichen doch nie und nimmer! Aber mehr gibt es nicht von der teuren, der *guten* Firma. Mischen mit der Billigware? Was wird die Oma sagen, wenn sie hört, dass da Geflügel drin ist? Die Oma isst doch kein Geflügel! Egal, sie merkt auch nie, wenn ich Knoblauch ins Essen tue. Obwohl das doch nur Russen essen, sagt die Oma.
Der Vater ist kurz irritiert, weil die Töchter sein Klingeln des Morgens nicht sofort erhören, weil sie sich fönen. Und er ist doch so hungrig, normalerweise frühstückt er ja viiiiel früher. Ja, die Kinder sind wieder daheim. Mit ihnen das ganze Chaos einer Großfamilie. Alle versuchen, es zu genießen. Es wird über Eierkochzeiten diskutiert und kurz über Steuererklärungen. Kinder, ist das Leben schön.
Die Oma hat nachmittags Besuch von einer alten Bekannten. Diese redet in schwindelerregend kurzer Zeit über mich als Kind (*d`K. hat net mit annam jedm gschprocha, nei nei,, nur mit adenen, die sie wirklich gmocht het, die konnt a ganz schön Schture sei - ganz andersch wia d`Kloine, die hat oifach immer gschtrahlt* - ich bin K. ...) geredet, dann über die Bombennächte 1945 (*ond plötzlich lag dia ganz Familie moiner Freundin dooood da, wissetse, alle doood*) und über Erbschleicher in der Familie (*hah, moi Kusiiiiin isch des - aber beim Geld isch Schluss mit luschtig, gell?*), und jedem Satz schob sie ein grelles Lachen nach. Ich flüchte in den Supermarkt, um die Ragout Fin-Frage zu klären.
Entschleunigung. Auf einem riesigen PC-Ungetüm versuche ich, mich wie einst zu Grundstudiumszeiten mit dem Smartsurfer ins Internet einzuwählen. Erst die Oma anrufen und checken, ob mit ihr alles okay ist. Denn beim Surfen wird die Telefonleitung tot sein. Das Modem jault. Modem. Auch so ein Wort, das aus unserem Sprachgebrauch verschwinden wird. Wie einst Bollerwagen, Schlauchmilch, Zehnpfennigstück und Kassettenrecorder. Während ich mich die folgende halbe Stunde lang auf GMX einlogge, koche ich mir einen Tee, nähe eine Naht an meiner Hose und studiere das Kinoprogramm für Heiligabend. Beim Surfen in Berlin schaffe ich es noch nicht mal, nebenher die Waschmaschine auszuräumen.
Naomi Campbell ist jetzt mit einem reichen Russen zusammen, sagt die BUNTE. Seinen Namen hab ich schon wieder vergessen. Er hieß weder Putin noch Jelzin. Aber er ist Russe.
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LaMadame
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Freitag, 19. Dezember 2008
man trinkt wodka cranberry in mitte
alle trinken das
wirklich alle
individualität ist immer eine frage der definition
ich dachte erst, es sei campari orange
und warum schwimmen gurkenscheiben in fast leeren gläsern?
immer noch bang-ponys, in blond und schwarz
oder wieder?
sogar die lebkuchen haben ein markenzeichen
'gebrandet' heißt das
mein mitte-jargon wird immer besser
aber ich muss noch an meinen umgangsformen arbeiten
"du darfst dich NIE entschuldigen!"
"okay, entschuldigung, wusste ich nicht."
mist, schon wieder falsch WODKA
an der garderobe viele schwarze jacken
kreative menschen tragen gerne schwarz CRANBERRY
immer noch und immer wieder
ich auch
zumindest hier aufgehen in der masse
ist das gut oder schlecht?
mein mantel ist von donna karan
bestimmt muss man mit h&m-schildchen wieder gehen
obwohl
underground-schick ist ja das markenzeichen des 'jungen kreativen berlin'
der wodka cranberry ist etwas zu süß
aber schön rot
mit orangeschale drin
weihnachtsstimmung kommt auf
morgen sitzen alle hier im flieger nach stuttgart
im bahnhof friedrichstraße hat um 1 uhr nachts alles geschlossen
sogar burger king
berlin ist wieder provinz
oder immer noch
ein paar bang-ponys drängen sich am currywurststand draußen
die post-vegetarische szene
niemand will ins bett
denn alle hier haben ein leben
nur wenn sie jetzt nach hause gehen, glaubt ihnen das doch keiner
also weiterziehen
das cookies hat noch auf
und die hafenbar
es ist kalt
alle sehen aus wie müde, hungrige kinder
so kreativ
so trotzig
so leer
plastik-blicke
bloß weg
heim
durchs brandenburger tor
rübermachen
in das andere berlin
an der kurfürstenstraße die damen aus bulgarien
hotpants
etwas zu dunkle feinstrumpfhosen
alle haben weiße Lederstiefel an
damit die freier sie im dunkeln nicht übersehen?
an der bushaltestelle rauchen ein paar ghettokids billige zigaretten
bierdosen von aldi
der dönerladenbesitzer putzt seinen tresen
mehr plastik
und irgendwie doch weniger
weniger leben
und doch irgendwie mehr
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LaMadame
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Dienstag, 9. Dezember 2008
Schöne Frauen oder Die Angst der Prinzessin vor der Königin
Warum fühlen sich manche Frauen von als schön geltenden Frauen bedroht? Warum regt man sich als Frau darüber auf, wenn ein Film voller Hollywood-Schönheiten ist? Warum ist man empört, wenn Männer oder andere Frauen die wundervollen Haare oder die tolle Figur einer berühmten Frau oder sogar einer gemeinsamen Freundin rühmen? Warum müssen manche Frauen stets betonen, dass sie überhaupt nicht aussehen möchten wie Miss X mit ihren überlangen Beinen, dass sie den Bauch von Lady Y nun wirklich zu muskulös und flach finden und generell nicht verstehen können, was denn nun alle alle an Madame Z finden, die Lippen seien doch viel zu aufgeplustert.
Das Interessante ist, dass jene Frauen ihre Haltung gerne als feministischen Akt verteidigen, als Widerstand gegen ein rigoroses, einengendes und uniformes Schönheitsideal. Dies möchte ich jedoch bestreiten. Für mich zeugt dieses Verhalten im Gegenteil von einer weiblichen Entsolidarisierung. Schöne Frauen als Bedrohung zu empfinden ist zutiefst patriarchal. Der patriarchale Reflex ist es, der einer schönen Frau sofort unterstellt, dass sie dumm sein müsste. Ist sie jedoch nachweislich intelligent, ist sie eine noch viel größere Bedrohung. Eine als nicht schön geltende Frau wiederum ist, Intelligenz hin oder her, grundsätzlich Spott ausgesetzt. Kurz und gut: weder eine zu schöne noch eine nicht schön genuge Frau kann nach patriarchaler Logik Karriere machen.
Wenn nun ein Hollywood-Sternchen mit seiner Schönheit berühmt wird - ist es wichtig, ob sie nun intelligent ist oder nicht (ganz abgesehen von der Messbarkeit solch einer fragwürdigen Kategorie...)? Fühle ich mich selbst wirklich besser, wenn ich die Figur einer Freundin oder Passantin negativ kommentiere? Mich erinnert das so sehr an die grausamen Zeiten, als wir, damals noch eher Mädchen denn Frauen, über diese oder jene ablästerten, genau wissend, was passiert, wenn wir selbst den Raum verlassen. Als tuschelnde Mädchengruppen im Schwimmbad auf die Blondine zeigten, die die meisten Jungs begehrten und es IHR übelnahmen und deshalb ihre 'Gazellenbeine' zu 'Stelzenbeinen' runterlästerten.
Wieviel Schwäche und Unsicherheit liegt in so einem Verhalten! Es zeigt doch nur, wie sehr Frauen die patriarchale Logik verinnerlicht haben, wie sehr sie sich dessen 'Teile-und-herrsche'-Prinzip unterwerfen und sich untereinander entsolidarisieren. Wie sehr sie selbst die Schönheitsmaßstäbe anlegen, die sie vorgeblich ablehnen - sonst müsste man sich ja nicht von den Frauen bedroht fühlen, die allgemein (!) als schön im Sinne des herrschenden Schönheitsideals gelten. Ich gebe zu, ich freue mich, wenn ich in einem Film solch schöne Frauen sehe. Ich kann auch Frauen sehr erotisch finden (mein Favorite ist grade Scarlett Johannson), und ebenso wie bei einem Mann kann das unabhängig davon sein, ob die Frau nun 'schöner' als ich in irgendeiner imaginierten Schönheitshierarchie ist (auf normal: "in einer anderen Liga spielt"). Auf der anderen Seite gibt es Frauen, die ich zwar als Frau nicht begehre, wo ich aber denke, dass ich so selbst gerne aussehen würde, einfach als Frauentyp (gerade: Hatice Aslan aus dem Film 'Drei Affen'). Ohne mich nun jeden Tag darüber zu grämen, dass ich das nicht tue. Mehr als Stil-Inspiration.
Wenn eine Freundin oder eine Passantin längere Beine oder einen flacheren Bauch hat, finde ich das wiederum meistens einfach schön - that's it. Wenn eine Fee mit ihren berühmten drei Wünschen kommen würde, hätte ich auch gerne diese Beine. Ohne die Fee geht es mir aber auch gut. Ich hab ja was anderes Schönes an mir, halt nicht diese Beine. Bis die Fee kommt, schaue ich auf die Beine der schönen Frau, einfach nur, weil ich sie schön finde.
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Sonntag, 7. Dezember 2008
Intellektuelle essen lieber Zartbitterschokolade, am besten mit Orangenschaleraspeln oder Himalajasalz oder Rosenblüten. Ich habe keine Ahnung, warum das so ist, vermutlich weil die Verpackungen schon intellektueller aussehen, viel Schwarz und Gold, eben tiefgründig. Und weil die wenigsten Prolls wissen, wonach um Gottes Willen Himalaja schmeckt. Ein Grund mehr für die Intellektuellen, sich die Salzschokolade zu kaufen. Schnöde Abgrenzung (boundaries!) vom Volke und dessen lila Einkäufen. An dieser Stelle jedoch ein Plädoyer für 'Dumm fickt gut.': Es lebe die Vollmilchschokolade!!!
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Mittwoch, 3. Dezember 2008
So isses, wenn man wieder zurück aus New York im richtigen Ghetto ist - home sweet home :)
"Voll besoffen torkeln wir Winterfeldtplatz, da wo ich die Opfer schon als Kind geschellt hab. (...) Mein Schulweg war voll mit Nutten und Fixern, skrupellosen Dealern, die H im Park vertickten. Andere in unserem Alter spielten noch mit Playmobil, doch unsereiner machte schon mit 13 Jagd auf Pädophile. (...) Freier und Switches umgeben von Spannern geiern auf die Bitches aufm Weg ins Havanna. Ein Tag mehr in da hood... Man kann einen Straßenjungen ausm Ghetto holen, aber nicht das Ghetto ausm Straßenjungen - schließlich kann man auch nen Bauern ausm Dorf holen, aber nicht das Dorf ausm Bauern. Ihr wisst, was ich meine (...)"
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Heute sah ich in der Umkleidekabine des Fitnessstudios das erste Mal eine nackte magersüchtige Frau. Trotz (oder wegen?) der Muskeln ein grausamer Anblick.
Ladies, lasst uns Sahnetorten essen und Caipirinha trinken, auf dass unsere wunderschönen Kurven im Kerzenschein schimmern, statt dass Rippen-und Schlüsselbeinknochen Schatten auf unsere fahle Haut werfen!
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Montag, 1. Dezember 2008
Meine externe Festplatte gluckert, als hätte sie zu viel Wasser getrunken. Voll süß...
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Meine Teepackung überfordert mich. Yogi Tee, Schoko, Aztec Spice. Das klingt schon so esoterisch, dass es ein guter Grund wäre, den Tee nicht zu kaufen. Doch da die drei Damen neben mir eine nach der anderen schnell ins Regal griffen, um eine der letzten Packungen zu ergattern, packte mich der Panik-ich-will-das-auch!-Reflex. Ich bin da einfach gestrickt - wenn das den meisten gefällt/schmeckt/usw., dann gilt das für mich meistens auch. Wie bei Harry Potter, aber das ist eine andere Geschichte.
Eben öffnete ich nun die Teepackung, um zu schauen, ob sich der Kauf auch gelohnt hat (Esoterik kostet...). Auf der Suche nach irgendwelchen Angaben, ob man nun kochendes oder nur heißes Wasser nehmen soll, wie lange ziehen und überhaupt, las ich mich in der Teepackung fest.
Im Innendeckel wird mir erst einmal eine Einführung in 'Ayurveda das Wissen vom Leben' gegeben, die schon mit einem bedeutungsschwangeren Satz beginnt: "Der geistige Ansatz des Ayurveda umfasst den ganzen Menschen in allen seinen körperlichen, geistigen und seelischen Aspekten." Dann wird über das natürliche Gleichgewicht philosophiert, und fasziniert lese ich, dass in jedem Menschen die Grundbausteine des Universums (Tattwas) in unterschiedlicher Weise vertreten sind. Nach einer kurzen Abhandlung über Rishnis, Yogis und Brahmanen hab ich die Hälfte des Innendeckels durchgearbeitet. Ich entschließe mich, die andere Hälfte über ayurvedische Kräuterrezepte zu überspringen, schließlich möchte ich in einer Stunde Gilmore Girls gucken.
Auf der inneren Rückseite entdecke ich, als ich einen Teebeutel entnehme, einen Bericht über ein 'Gespräch mit einem Orangen-Deva', das laut Literaturangabe (!) im Mai 1968 stattgefunden hat. Ich glaube, ein Deva ist sowas wie ein Elf oder so. Jedenfalls sehr poetisch: "(...) Leben ist überschäumende Freude; jeder kleine Biss in ein Blatt, den eine Raupe tut, wird mit mehr Genuss getan, als wir das manchmal bei euch fühlen können - und eine Raupe hat nicht viel Bewusstsein. (...)" Ich mag Raupen.
Im Boden der Packung gibt es eine Einführung in ayurvedischen Bioanbau, viel von Pestiziden und Schwermetallen zu lesen. Traurig, das alles, Schöpfung kaputt und so. Aber die Erwähnung des vulkanischen Regenwalds Sumatras weckt in mir kurz das Fernweh, ich träume von Palmen und Meer. Trotzdem, die Raupe war mir lieber. Aber wo find ich jetzt die Zubereitungsvorschläge?
Außen auf der Packung erfahre ich im Zuge meiner Suche etwas über einen gewissen Yogi Bhajan, der wohl den Yogi Tee erfunden oder zumindest populär gemacht hat. Unter der Überschrift 'Serving your Spirit' wird die Story historisch eingebettet, vorbildliche Wissenschaft. Kontextualisierung ist entscheidend für einen differenzierten Blick. 1969 kam besagter Yogi (also ein Jahr nach dem Raupendialog) wohl als Kundalini-Yogameister in den Westen, ab den frühen 1970er Jahren wurde der Yogi Tee bereits in den 'vegetarischen Golden Temple-Restaurants' in ganz Europa serviert, ab 1974 gab es den Tee dann in Naturkostläden zu kaufen, der großen Nachfrage wegen. Klar, die Hippies mochten das bestimmt.
Yoga scheint für den Tee übrigens wichtig zu sein. Und deshalb findet sich auf der rechten Außenseite dann auch eine 'Yogaübung zur Bewusstwerdung (Gurprasad)', mit Bildchen und Anleitung: "(...) Atme lang und tief. Fühle, wie sich die Schale mit den Gaben des Universums 'füllt' und wie reich du beschenkt wirst. (...)" Wohl als Tribut an amerikanische Rechtsanwälte dann noch 'Bitte fragen Sie Ihren Arzt, ob diese Übung für Sie geeignet ist.' Ich finde es gut, dass auch Teeproduzenten sich um das körperliche und seelische Gleichgewicht der Käufer Gedanken machen. Weiter so.
Mein Blick gleitet über eine Information über die umweltfreundliche Herstellungsweise der Teebeutel und der Verpackung, über die anderen Sorten Yogi Tee, und ich denke, nun bin ich durch. Weit gefehlt - die Unterseite! Oh, da geht es um die Azteken und 'Xocoatl' als ihr 'Göttergetränk'. Schön, ich dachte immer, die hätten nur Menschenblut zu sich genommen. Hier werden die Azteken aber als echt nett dargestellt - Leute, die Vanille und Zimt mit Schoki mischen, klingen für mich sehr umgänglich. Und das alles mit Federschmuck, oder? Fast wie die Hippies, der Kreis schließt sich.
Und ich freue mich, dass ich nun wohl voll 'in' bin, denn die Packung teilt mir überdem noch mit, dass das Getränk ein 'echter Insider-Tipp sei, fast ein Kultobjekt für die, die ihn kennen und lieben gelernt haben: Schoki's best drink.' Ich finde, die Anglizismen sollten sie weglassen, ich möchte auf Yogi Tee-Packungen nur Sanskrit lernen. Oder Lebensweisheiten für den Tag bekommen, quasi eine Teepackung als Glückskeks. Hier finde ich etwas von George B. Shaw: "Frage die Wirklichkeit nicht 'warum?', frage deine Träume 'warum nicht?' ". Ooooh, das war jetzt aber schön... Ergriffen greife ich zum Wasserkocher, nachdem ich nun, eine halbe Stunde später, auf der Innenlasche links etwas über kochendes Wasser und 7 Minuten gefunden habe.
Noch habe ich mich nicht entschieden, ob ich den heutigen Einkauf als wahre Bereicherung in meinem Konsumleben sehen soll (= unterstützenswert = wieder kaufen) , oder ob ich, sobald es den Tee bei PLUS oder LIDL gibt, mir die Billigvariante ohne Text und Fußnoten hole. Ist ja langweilig, immer dasselbe Buch zu lesen...
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LaMadame
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