Montag, 26. Oktober 2009

Sie ignorierte uns einfach. Dabei verhielten wir uns wie aufmüpfige Kinder, die den Bogen versuchen so weit zu überspannen, bis man einen richtigen Anschiss als Liebesbeweis und Zeichen der Anerkennung bekommt. Aber sie ignorierte uns.


Es war Samstag nacht gegen halb eins. Das kleine Café in Kreuzberg ist sehr Berlin-niedlich-retro. Ein wenig Oma-Style mit all den Polstermöbeln und Tapeten, ein Schuss französisches Landhaus mit den Holztischen, eine total kreative Speisekarte in Silberschrift auf Schwarz, natürlich handgeschrieben in Schreibschrift, dazwischen Musiknoten und Schwarzweißfotos der kreativen Mitarbeiter mit Menü-Empfehlungen. Zum Aufklappen. Und dazwischen wiederum die Crêpes, in silberner Schreibschrift. Wir wollten je ein Crêpe mit Schokolade. Und was trinken. Natürlich. Aber sie ignorierte uns.


Die Kellnerin beachtete uns überhaupt nicht. An den anderen Tischen aßen und tranken die retro-schicken Neukreuzberger und parlierten teils auf Französisch, teils auf ex-schwäbisch. Rotweinkaraffen auf einigen Tischen. Er ging vor an die Bar. Die beiden sehr schicken jungen Herren an der Bar ignorierten ihn ebenfalls. Völlig. Vermeidung von Blickkontakt. Nun gut, er brachte eine der kreativen Karten an unseren Tisch. Wir waren erstmal beschäftigt. Mit der silbernen Schreibschrift.






















Eine Viertelstunde später ging er los. Raus. Zum Spätkauf. Er kam zurück mit zwei Flaschen und Schokolade. Zwar ohne Crêpes dazu, aber man muss manchmal eben Abstriche machen. Wir öffneten die Flaschen. Mit dem Feuerzeug. Knisterten mit dem Alupapier der Schokolade. Dazu wollten wir rauchen. Keiner brachte uns einen Aschenbecher. Er sagte, im Baskenland hätten alle auf den Boden geascht. Also aschten wir auf den Boden. Tranken. Aßen. Unterhielten uns.

Der Laden ist recht klein. Sicher weniger als 10 Tische. Die Kellnerin kam ein paarmal vorbei. Kein Blickkontakt. Kein Kommentar. Wir überlegten uns verschiedene Antworten, falls jemand was sagen würde. Von patzig bis jovial. Aber niemand sprach mit uns. Wir wollten aufmüpfig sein. Rebellieren. Provozieren. Aber sie ignorierte uns.

Als die Kellnerin sich - zwei Stunden später - am Nebentisch eine Zigarette anzündete, zogen wir uns in aller Ruhe an und gingen. Unser Müll lag auf dem Tisch. Die Flaschen. Das Alupapier. Aschereste. Sie ignorierte uns.

Wenn es darum geht zu rebellieren und zu provozieren: den Kampf hat die Kellnerin eindeutig gegen uns gewonnen.....

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Dann habt ihr wohl gar nichts verstanden?
MaOneon Tip - du gehst einfach rein und sagst ganz nett "Hallo" und sparst dir provokative Dämlichkeit oder "ich bin kreuzberger Ureinwohner getue. Sorry - in dem laden must du dich schon extrem unterm Tisch verstecken um ignoriert zu werden oder gerade eben nicht...
Geh einfach ins Ritz - da gibt es bestimmt keine Schwaben - wer regt sich eigentlich am meissten über Schwaben auf (haha)???

LaMadame hat gesagt…

Wir haben 'ganz nett "Hallo" gesagt' und die ersten 20min auch ganz 'normal' gewartet, wie man es in solchen Lokalitäten üblicherweise tut, und zwar nicht unterm Tisch, sondern brav auf unseren Stühlen. 'Urkreuzberger' sind wir beide nicht - wie kommst du darauf?? Und zu den Schwaben: naja, immerhin beherrschen die mehrheitlich eine korrekte deutsche Rechtschreibung.........