Samstag, 15. November 2008

Gestatten, Ötzzzzzdemir.

Jetzt mal ehrlich: Ist es von professionellen Nachrichtensprechern, Journalisten  und Moderatoren der deutschen Medienlandschaft zu viel erwartet, sich endlich einmal mit der korrekten Aussprache türkischer Namen vertraut zu machen? Dass nicht jeder den Gluckergurgellaut im Namen des türkischen Ministerpräsidenten hinkriegt - okay. 

Aber der Name dessen, der in ein paar Minuten wohl zum Vorsitzenden der Grünen gewählt werden wird, ist auch für jeden Deutschen zwischen Pankow und Pasing aussprechbar. Ein sanftes, stimmhaftes 's' bitte. 'Ösdemir'. Klingt viel schöner als das penetrante 'Ötzzzzzdemir', das eben sogar Josef Winkler von den Grünen selbst ins Phoenix-Mikrophon krächzte. 

Ein Tribut an ignorante Medienmenschen, den vermeintlich ignoranten Fernsehzuschauer (a.k.a. potentiellen Grünenwähler OHNE türkischen Background), oder muss die Medienschelte meinerseits auf die Partei selbst ausgedehnt werden? Aber da isser ja eh nur 'der Cem', und das könnense irgendwie dann doch alle aussprechen. Genauso gut wie 'Joschka'. Und das ist doch schon was....

Sonntag, 9. November 2008

Die Flohmarktprinzessin und der Nazi

Völlig versunken tanzte sie zur Musik, die aus ihren Kopfhörern kam. Nicht, dass man damit nachts in der U1 in Kreuzberg auffallen würde. Aber sie sah schön aus, wie eine verträumte Fee. Und fiel daher doch auf. Zumindest mir und dem kleinen Nazi, der mir in der Bahn gegenübersaß. 

Grinsend stieß er seinen Kumpel an und deutete auf die Fee mit den langen blonden, leicht verfilzten Haaren, zu zwei unordentlichen Zöpfen gebunden, die da in der Ecke des Waggons stand und tanzte. Und konnte von da an seinen Blick nicht mehr von ihr lassen. Wie gebannt starrte er auf ihre schwarzen Netzstrumpfhosen, die braunen Retro-Stiefel, die viel zu weite abgeratzte Kapuzenstrickjacke, den  leicht verschlissenen Blümchenrock. Die meisten jungen Frauen, die nachts in der U1 von Kreuzberg nach Friedrichshain sitzen, sind in diesem Stil gekleidet, gerne mit Bierflasche als Accessoire. 

Der kleine Nazi schob seine schwarz-weiße Stirnmütze auf den kurzgeschorenen Haaren nach hinten, bleckte die Zähne (abgebrochener Vorderzahn, wie klassisch...). Der tätowierte Skorpion an seinem Hals sollte wohl eine Männlichkeit konstruieren, die ihm aufgrund seiner schmächtigen Größe sicher öfter abgesprochen wurde. Aber selbst die Bomberjacke mit all den Abzeichen wirkte in diesem Ambiente eher lächerlich denn bedrohlich.

Als der Nazi bemerkte, dass ich fasziniert von seiner offensichtlichen Faszination für die Flohmarktprinzessin war, zischte er kurz einen undefinierbaren Laut in meine Richtung, so dass ich mich erst einmal den Fußballergebnissen im 'Berliner Fenster' widmete. 

Kurz darauf erhob sich der Skorpion samt dranhängendem Jüngelchen, und er stellte sich dicht, sehr dicht, hinter die tanzende Fee. Die bemerkte nach wie vor nichts und war völlig abgetaucht in ihrer Musik. Auf wirklich unsubtile Weise musterte der Nazi diese Frau, die eigentlich so völlig außerhalb seines ästhetischen Empfindens (...) und erst recht seiner Reichweite stand, ließ den Blick immer wieder an ihren benetzstrumpfhosten Beinen rauf und runter fahren und sah aus, als wolle er sie gleich antanzen oder anfassen.

Endstation Warschauer Straße. Wir alle wechseln in die Tram. Die Fee tanzt und träumt nach wie vor. Der Nazi und sein Kumpel suchen sich einen Platz mit gutem Blick auf die Schöne. Schon eine Station später steigt sie wieder aus. Kurz hab ich fast Angst um sie, Angst, dass die beiden ihr in die dunkle Friedrichshainer Nacht folgen werden. Stattdessen kleben die beiden an der Scheibe und schauen zu, wie die Flohmarktprinzessin, kurz nachdem sie sich in ihr Leben getanzt hat, schon wieder in ihre eigene Welt entschwindet. Selbst ein Nazileben im heutigen Berlin entbehrt nicht einer gewissen Tragik...


Mittwoch, 5. November 2008

Obama going Jamaica...

Sonntag, 2. November 2008

Irgendwo hinterm Berliner Hauptbahnhof, Samstag nacht, 2 Uhr. Im 2Be Club reibt sich das Prekariat, in Glitzer, Sonnenbrillen und Basecaps gewandet, zur Black Music, die von einem DJ aufgelegt wird, der gefühlte 17 Jahre alt ist. Ein wenig wie in der katholischen Kirche sind Pausen im Rap dazu da, eine Antwort zu grölen, was alle auch in schönster Einigkeit tun: 'Go out of da way, bitch, go out of da way. Bitch, go out of da way, bitch, go out of da way!' Ich shake zwischen einem Jungen mit Irokesenschnitt, der aussieht, als ob er aus Brandenburg-Land mal nen Abstecher in die Großstadt machen durfte, und zwei für ihr Alter und ihre Figur zu leicht bekleideten Blondinen um die 18. Und überlege, ob ich den Bitch-Talk nun irgendwie teenagerabgebrüht cool finde oder mich in vorher nie registrierten old school-feministischen Gefühlen verletzt fühlen sollte. Es macht Spaß, nachts um 2 hinterm Hauptbahnhof ein wenig intellektuell zu sein. Für's Coolsein hab ich nämlich die Sonnenbrille vergessen.

Samstag, 1. November 2008

Halloween post-9/11

Gestern war Halloween. Ja, auch hier in Berlin. Dies  fiel mir vor allem daran auf, dass mir nachts, als ich von Schöneberg nach Tiergarten fuhr, für die Uhrzeit unverhältnismäßig viele kleine Kinder ins Rad rannten. Normalerweise hat man zumindest nach Einbruch der Dunkelheit davor halbwegs Ruhe. Nicht so an Halloween. Aber statt Zorros und Gespenstern ein einziger post-9/11-traumatischer Spießrutenlauf: die dunklen Umhänge, was war da noch, Iran, Burka, Tschador, Taliban, huhhhh. Die weißen Umhänge, krassssss, überall so kleine Abu Ghraib-Folteropfer. Kinder, das ist doch alles nicht mehr lustig! Das waren noch Zeiten, als wir als Prinzessin, Clown und Indianer zu Lambada tanzten.....ich wollte nie als Abu Ghraib-Häftling auf dem Schulfasching auftauchen - Golden Times....

Freitag, 31. Oktober 2008

Als Teil der nicht arbeitenden Bevölkerung (diskussionswürdig, übrigens.....) bin ich froh, in dem einzigen Bundesland zu leben, in dem weder der Reformationstag noch Allerheiligen gefeiert wird - Feiertage um diese Jahreszeit herum sind trostlos, zumindest wenn ich mich noch recht an die sprichwörtliche Grabesruhe um Allerheiligen rum in Ulm erinnere. Warum bin ich dann aber selbst in Berlin gezwungen, mir Kirchenchöre anzuhören, sobald ich morgens das Radio einschalte, warum muss ich auf irgendwelche Lieblingsserien zu verzichten, weil stattdessen aufm Bildschirm Messen gefeiert werden? Gerade bin ich lustvoll intolerant gegenüber Religion in der Öffentlichkeit. Das werde ich zwar für einige Wochen aussetzen, wenn ich mir ab Anfang Dezember von den Ally McBeal-Christmas-Hits bis zu den rauchstimmigen Jingles von Johnny Cash plus amerikanisierter Weihnachtsdeko Herzschmerzeventchristentum gebe, egal ob zuhause oder im KaDeWe. Aber auf lateinische Messen als Badezimmermusik kann ich dennoch verzichten. 

Dienstag, 28. Oktober 2008

....nun nur noch die Frage: bin ich nun ein- statt ausgesperrt oder: war die Sperre eigentlich jemals da?!

Jede genommene Hürde ist ein kleiner Sieg - vor allem, wenn man gehüpft ist, obwohl man sich kurz vor der Hürde, da, wo es eigentlich nicht so gut für einen ist, schon so bequem eingerichtet hat, einfach nur aus Angst vor dem Sprung (und weil man weiß, dass man, kaum landet man, schon wieder fast gegen die nächste Absperrung knallt....)

Dienstag, 21. Oktober 2008

Imaginierte post-extraterrestrische Intersexualität - ey, ich muss echt nicht alles gut finden....

Kontakte 2.0

Vor einem Jahr wurde man noch von den einen als 'total hip', den anderen als infantil oder echt naiv angesichts der 'totalen Überwachung' angesehen, wenn man nur im studivz war, diesem Retro-Portal, das was von einem 'Meine Schulfreunde'-Album hat. Dann kam facebook, zumindest für diejenigen, deren Horizont auch mal über Rhein und Oder hinausreicht, die des Englischen auch mächtig sind, wenn es über ein 'Stop' und 'Play' auf ihrem DVD-Player hinausgeht bzw jene, die 'den Amerikanern' nicht noch viel perfidere Überwachungstechniken unterstellen. Denn dass facebook sehr viel striktere Regelungen für die Privatsphäre hat, ist doch höchst verdächtig. Myspace wiederum ist von jeher den Künstlern, den Möchtegernkünstlern und den Prolls vorbehalten - viel Musik, viel Blingbling, viel Action.

Nun passiert aber etwas Erstaunliches: Plötzlich scheint jeder bei Xing zu sein. Über alle politischen Grenzen hinweg, die Computerfreaks ebenso wie die Misstrauischen, die Soliden und Arbeitenden ebenso wie die Dauerstudierenden. Erstaunlich finde ich das deshalb, weil noch vor einem Jahr, als bei einer Party das Gespräch auf Xing kam, viele noch nie davon gehört hatten, die, denen der Begriff was sagte, sich erstmal stritten, ob es nun 'ksing' oder 'crossing' ausgesprochen werde, und sich generell dann alle einig waren, dass das neoliberaler Shit sei. Etwas für BWLer, Juristen, Ingenieure, also all diejenigen, die eh nie auf 'unseren' Parties rumhängen. Für Leute, die im Hosenanzug oder Kostüm auf Unternehmensmessen gehen. Für die, die schon mit 18 Bausparverträge abschlossen. Die, die die Schönheit eines angeblich sinnlosen Magisterstudiums überhaupt nicht schätzen können.

Passé. Bei Xing findet man sie nun alle. Mich auch. Natürlich. Ich bin voll 2.0. Und das sogar gerne. Ich sage 'ksing'. Und finde, manche Hosenanzüge stehen mir ganz glänzend. Ein silbermetallicfarbener Benz würde das noch unterstreichen. Das Allerschönste ist, dass ich dann, wenn ich auf dem Parkplatz des Unternehmens, das ich auf der Messe aufgetan habe, aus dieser Luxuskarre klettere, all meine lieben Freunde aus der Studienzeit wiedertreffen werde. Die jetzt alle bei Xing sind. All die Systemkritiker, die Antikapitalisten, die 'Anderen'. Mit Latte Macchiato diskutiert sichs bequemer. Natürlich alles voll ironisch. Natürlich. Was auch sonst?
Ein geliebter Mann sagte einst zu mir, es sage viel über mich aus, dass mein liebstes Wetter kalte Sonne sei. Er wurde sogar richtig wütend darüber, und ich fühlte mich schon fast schuldig, dass ich nicht kleinmädchenlike auf laueFrühlingsabende oder vollweibmäßig auf heiße Sommernächte stehe. Zumindest nicht ganz so sehr wie auf klare, eiskalte, sonnige Herbst-oder Wintertage. Heute morgen ist es wunderschön draußen, die Blätter sind knallbunt, die Sonne strahlt vom Himmel, es weht ein leichter Wind. Als ich eben aufm Fahrrad saß, freute ich mich über all die Farben - und war leicht genervt von der unerwarteten Wärme. Noch 15 Grad weniger, und es wäre perfekt gewesen.

Freitag, 17. Oktober 2008

Ausgesperrt...
Im Herbst passt sie wenigstens zum Wetter. Meistens. Melancholie, ein schönes Wort, wenn man nicht grade den Ehrgeiz hat, den Begriff wörtlich zu übersetzen (bäh...). Ich gehe davon aus, dass nicht alle das gleiche meinen, wenn sie sagen, sie seien heute melancholisch. Traurig meine zumindest ich damit nicht, zumindest nicht die Art von Traurigkeit, dass man heulen möchte. Eher fühle ich eine Eisenklammer um meinen Magen. Die auch den ganzen Tag nicht weggeht und wie ein Hintergrundprogramm bei allem, was ich tue, drückt. Irgendwie weiß ich, dass ich froh sein sollte, sowas überhaupt fühlen zu können - wie krass muss es sein, wenn da nur noch Leere ist? Deshalb schwanke ich, das Gefühl mit vollem Bewusstsein ertragen zu wollen, am besten noch verstärkt mit der passenden Musik und ganz allein mit mir. Oder zu fliehen. Fernsehen, Telefon, Freunde - einfach vergessen versuchen. Wegtrinken. Wegessen. Wegreden. Wegarbeiten. Wegschlafen. Wegschreiben. Grade switche ich hin und her. Die Sonne scheint draußen. Mir wäre es lieber, es wäre schon dunkel. Ich werde jetzt wieder eine Fluchtaktion starten. Die Eisenklammer bleibt. 

Donnerstag, 9. Oktober 2008

Dunstig blauer TeenAger

Offiziell bin ich irgendwas zwischen Nicht-und Gelegenheitsraucherin. Eher Nichtraucherin. Bisher jedenfalls. Das jedoch mehr gefühlsmäßig denn irgendwie an der Realität gemessen, zumindest wenn man das alles quantitativ erfassen möchte. Wir leben in einer Statistikkultur, wo alles gemessen und erfasst werden kann. und rein statistisch rauche ich in den letzten Wochen mindestens 20 Zigaretten mehr pro Woche als der durchschnittliche Nichtraucher. Selbst in Anbetracht von Volatilitätsspannen ist das bemerkenswert, und gerade in Anbetracht der momentanen Finanzkrise sind solche streng ökonomischen Parameter sowieso in Verruf geraten. Also zurück zum Gefühl: demnach switche ich gerade ins Lager der Raucher. Ausgerechnet jetzt, wo im Zuge der Amerikanisierung und Hygienisierug der Körper-und Öffentlichkeitskultur das Rauchen irgendwo zwischen psychologischem Defekt (Willensschwäche!), Krankheitsbild (Sucht!) und pädagogischen Pathologisierungen (Gruppenzwang! die Medien!) changiert. Hmmmmm.  Früher fand ich diesen Rauchenistcool-Kult immer ziemlich infantil. Die Raucher aufm Schulhof, in der Eislaufdisco, im Schullandheim, die Supercoolen, ihr Selbstbewusstsein aus einer 4DM-Packung+Streichholz ziehend. Armselig. Das Genervtsein, wenn sich wieder eine Party trotz Nieselregen und vollem Buffet im Wohnzimmer auf einen Balkon verlegt hat, den place to be einer jeden coolen (!) Fete (voll das 80er-Wort übrigens). Wenn sich alle in einem Café mangels anderer Gesprächsthemen über die tolle Luft freuen (geht joggen, mein Gott....). Jetzt ist alles anders. Rauchen wird widerständisch (ein ncoh alberneres Wort). Parties werden - neben Gebärerfahrungen - mit dem Thema bestritten, dass es doch soooo toll sei, dass die Kleidung nun nimmer nach Rauch stinke, wenn man nachts heimkomme. Unerotisch. Erotik ist nämlich oft unvernünftig, und eine 'Zigarette danach' ist dies im höchsten Maße, aber: wenn man schon raucht, 'dann nur in der Küche, also echt', wenn es nach der sehr moralisierten, aber eben höchst unerotischen Öffentlichkeit geht. Langsam bekomme ich Spaß am Rauchen. An der Pose. Der Symbolik. Unglaublich eigentlich, dass man echt nur noch eine Paareuropackung Nikotin braucht, um Leute dazu zu bringen, einem eine Grundsatzdiskussion reinzudrücken. Am schönsten dann, wenn man nicht mehr vor den schwangeren Frauen oder Kindern rauchen soll. Da werden ehemalige Punks zu Biopredigern....Ich finde es wunderbar, ausgerechnet jetzt, die 30 knapp überschritten, endlich zum richtigen TeenAger zu werden: Rauchen, weil es anders ist, weil es nervt, weil man das eigentlich nimmer tut. Danke, liebe Umwelt, dass ihr mir die Rebellion so einfach und so billig macht.

Freitag, 3. Oktober 2008

Es möge sich angesprochen fühlen, wer damit angesprochen wird.....doch die tun es ja meistens nicht....

http://www.youtube.com/watch?v=6ZcIUAe-DdI