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Montag, 26. Oktober 2009

Déjà-vu.....Kohl-Deutschland ist zurück....

Donnerstag, 24. September 2009


Ich auch nicht.










Verzweiflung macht kreativ.

Montag, 21. September 2009

"Verpartnert". So heißt das bei Grüns also heutzutage. Als ich mich durch die Profile grüner KandidatInnen zur Bundestagswahl klicke, fällt mehreres auf: der Familienstand scheint zumindest in Baden-Württemberg wichtig zu sein. Dazu gehört die Zahl der Kinder, deren Geschlecht ebenso. Was fange ich mit der Information 'eine selbständige Tochter' bloß an?? 'Verheiratet' jedoch ist eine klare Kategorie, 'ledig' bisher auch, wenn auch eine unscharfe, da ja nur die Negation des Verheiratetseins. Manch einer ist laut Steckbrief dezidiert 'nicht verheiratet'. Also ledig. Aber es ist nicht klar, ob damit nun 'Single' gemeint ist. Oder eben....ja, was denn? Auf studivz und facebook wäre das entweder 'vergeben' oder 'Romanze' oder auch 'es ist kompliziert'. Wobei Single sein natürlich auch kompliziert sein könnte. Aber wir reden über die nicht verheirateten Nichtsingles. Was sind die dann, wenn wir uns jetzt längere Reflexionen über die verschwommene Grenze zwischen Single und allem anderen ersparen wollen? Nun ja, sie sind eben 'verpartnert'. Danke, liebe Grüne, wieder was fürs Leben gelernt.
Oder so: anstelle von Wahlkampf....

Sonntag, 20. September 2009

Wahlkampf, Berlin Style





Montag, 15. Juni 2009

Analysis: Iran election statistics muddy waters further | World news | guardian.co.uk, BBC NEWS | Middle East | Hostages' bodies 'found in Yemen', Protests in Tehran after election - Riot police caught by crowd, Op-Ed Columnist - Iran’s Day of Anguish - NYTimes.com, Why Obama Should Keep the Heat on Israel ... - TIME, Why the U.S. Should Start Talking to Hamas - TIME.
Das allein in den letzten 2 Stunden.

Dieser Post ist nicht anti-intellektuell oder bildungsfeindlich gemeint. Auch kein Plädoyer für apolitische Einstellungen oder Denkfaulheit. Dennoch: Was denken sich einige meiner sogenannten Facebookfreunde dabei, mir jeden Tag -zig Nachrichtenmeldungen von BBC, CNN und co. reinzuposten? Ich finde es ja schön, dass wir alle so interessiert an der Welt sind, uns das Schicksal des post-election Iran berührt, wir uns um Israel und Palästina sorgen bzw. ärgern und dieses Interesse mit all unseren Freunden teilen wollen. Vielleicht liegt es an einer relativen Homogenität meines Freundeskreises, dass ich fast NUR über Iran, Israel und Palästina zu lesen bekomme, nichts aber über die neuesten Erkenntnisse in der Astronomie oder hessischer Innenpolitik. (An dieser Stelle möchte ich ausdrücklichst keinen der Leser hier ermutigen, mich in Zukunft mit Kometensichtungsberichten und Ypsilanti-Stories zu behelligen!) Wenn dann noch dieselben Leute zu einem Thema (exemplarisch sei hier nun die Unruhen im Iran genannt) nicht nur ein, sondern gefühlte 27 Postings pro Minute machen, die allesamt über Youtube viele Menschen auf Teherans Straßen zeigen, dann ist das, nun ja, ermüdend. Zumindest bei mir führt es zu Politikverdrossenheit. Dasselbe Phänomen bemerkte ich übrigens schon beim Europawahlkampf auf Facebook. Aufgrund einer biographischen Vorbelastung war ich in einigen grünen oder grünennahen Facebook-Gruppen Mitglied bzw. hatte Wahlkämpfer in meiner Freundesliste. Unerträglich. Wirklich. Nicht nur die Anzahl der Postings, sondern die Inhalte ließen mich beinahe den Respekt vor dieser Partei verlieren, die mich zwar oft genervt hat, die ich aber immer für irgendwie 'tiefgründiger' gehalten hatte. Nicht dass ich glaube, dass andere Parteien besser wären. (Und genau dieser eigentlich unbegründete Glaube ließ mich den Grünen dann doch wieder meine Stimme schenken, wums-Peinlichkeiten zum Trotz). Aber zurück zu den Facebook-wannabe-Nachrichtensprechern: Es ist ja nicht so, dass wir jungen, urbanen, internetaffinen Möchtegernintellektuellen all diese Dinge nicht selbst recherchieren könnten. Auch von meinem Rechner aus kann ich auf CNN, BBC und youtube zugreifen - wenn ich es möchte, brauche und Zeit habe. Wie gesagt, nichts gegen wirklich interessante, außergewöhnliche Links. Doch wenn alles, was in der Tagesschau o.ä. erzählt wird, noch 34mal auf meiner Startseite in Form von bunt bebilderten Links auftaucht, ist das einfach nur anstrengend. Natürlich kann man sich mit derlei Nachrichtenverbreitung seinen Freunden als besonders politisch interessiert, nachdenklich und engagiert darstellen. Aber allein in der Zeit, bis man die entsprechenden Seiten alle hochgeladen hat, könnte man sicher für sich noch drei weitere Artikel lesen. Nur dann merkt's ja keiner....

Dienstag, 2. Juni 2009

Eigentlich kam ich nur zur Visite. Diesmal beim Oberguru-Doktor des Reha-Zentrums, ein freundlicher älterer Herr mit Hemd und Krawatte. Er guckte auf mein Knie, stellte ein paar Fragen, machte sich einige Notizen, freute sich über die gelungene Operation. All das in knapp fünf Minuten. Dann blickte er in meine Akte und wollte wissen, welches Fach ich denn studiere.

Es ist immer wieder faszinierend zu beobachten, welche Gesprächigkeit bei meinem Gegenüber ausgelöst wird, sobald es auf das Thema Islamwissenschaft kommt. Denn jeder hat dazu eine Meinung, wirklich jeder: türkische Nachbarn, Ehrenmorde, Palästina-Konflikt, Ägypten-Urlaube, Kopftücher. Es gibt ja so viel zu reden, nicht wahr?

In den folgenden 15 (!) Minuten handelten der Oberguru-Doktor und ich folgende Themen ab: Kann man die westlichen Islamwissenschaftler generell in zwei Lager einteilen, nämlich die totalen Beschöniger und die harschen Islamkritiker? Warum konvertieren Afroamerikaner zum Islam und was hat das mit der Protestantischen Ethik zu tun? Kann eine Religion per se (nicht-) rassistisch sein? Wir diskutierten den Unterschied zwischen slave societies (USA) und societies with slaves (arabische Welt) im Sinne Sherman Jacksons. Ein kurzer Schlenker zum Black Orientalism: ist der Islam qua seiner arabischen Prägung nicht auch inhärent rassistisch? Der Oberguru-Doktor warf die komplexe Frage nach der (Un-)Übersetzbarkeit des Koran aus dem Arabischen und die daraus resultierenden Implikationen (z.B. Arabozentrismus) auf. Darüber landeten wir bei der angeblichen Wissenschaftsfeindlichkeit des Islam, die der Oberguru-Doktor meint ausgemacht zu haben. Die Errungenschaften der islamischen Geschichte, so meinte er, seien doch alle auf konvertierte Juden zurückzuführen. Den hier eigentlich notwendigerweise anzuführenden Diskurs über strukturell antisemitische Stereotype ersparte ich uns. Dafür landete der Oberguru-Doktor jetzt bei der Tagespolitik: ist die Tatsache, dass sich die Palästinenser über jeden winzigen Erfolg über Gebühr freuen und diesen als Sieg uminterpretieren, nicht ein Zeichen für den dem Islam immanenten Willen zur Eroberung? Eine Religion des Kampfes? Ich problematisierte die Schwierigkeit essentialistischer Islam-Bilder, die es ja durchaus auch von muslimischer Seite gebe, um dann mit dem Oberguru-Doktor auszudiskutieren, wie wahrscheinlich eine 'Reform von innen' ist, die er als notwendig anmahnte. Darüber kamen wir nun zu Legitimationsstrategien dieser sogenannten Reformer und deren möglichen Chancen bzw. Grenzen, um in einem versöhnlichen 'mal sehen, was die Zukunft bringt' zu enden.

Denn inzwischen hatten wir fast 10 min überzogen, obwohl ich doch schon längst bei der Aqua Gym hätte sein sollen! Der Oberguru-Doktor bedankte sich für das Gespräch und sagte, ich könne jederzeit wieder vorbeikommen. Während ich die Stufen ins Schwimmbad runterschlitterte, sinnierte ich darüber, dass wir gar nicht über Kopftücher gesprochen hatten. Von daher war dieses Gespräch doch außergewöhnlich gewesen. Als ich in das kalte Wasser eintauchte und mich langsam abkühlte, dachte ich, dass es toll wäre, neben jedem Podium künftig ein eiskaltes Becken für die Diskutanten zu haben.