Montag, 9. März 2009

Ich finde das super. Das ist Aufklärung, die echt mal die Massen erreicht. Bei Wer wird Millionär? diskutieren Günther Jauch und sein Kandidat über Verhütung. Erst dachte ich, ich hätte mich verhört, als Jauch sagte: "Ah, Sie haben also ein Vaginalmodell mitgebracht?" Als der Kandidat aber warnte: "Achtung, Sie brechen gleich die Eierstöcke ab!", realisierte ich, dass ich im privaten Bildungsfernsehen der besonderen Art gelandet war. Dann führten zarte Männerhände einen Verhütungsring in die Plastikskulptur ein - Großaufnahme. Damit auch alle aufgeklärt werden! Günther Jauch prüft und merkt an: "Ohne jetzt zu genau ins Detail gehen zu wollen: daran komm ich vorbei." Das Publikum johlt. Hohoho. Subtiler und doch dreckiger Humor zieht immer. Bestimmt zwinkern sich jetzt auf Sofas von Bottrop bis Passau Mama Doris und Papa Ulf verschwörerisch über die Köpfe des Nachwuchses zu. Der Jauch ist aber auch einer! Doch der Kandidat hat eine Mission. Er will aufklären und erläutert sachlich, dass das doch alles nicht mechanisch sei, sondern voller Hormone, die dann rausblubbern. Da der Jauch aber einer ist, möchte er das für Mama Doris und Papa Ulf nochmal versinnbildlichen: "Das ist dann wie das Zeug, was ich für zwei Wochen in meine Blumentöpfe reinstecke, wenn ich in Urlaub fahre?" Das Publikum johlt nochmal beim Wort 'reinstecken'. Jaja, der Jauch. Schlitzohr! Jauch legt nach: "Wenn nur Frauen so einfach zu handhaben wären wie Blumentöpfe!" Der Kandidat schenkt daraufhin Jauch die Plastikvagina - wenn er doch so viel Freude daran hat! Und Deutschland ist wieder ein Stück aufgeklärter. Danke, Günther Jauch! So macht Bildung Spaß. Deutschland braucht Sie!

Samstag, 7. März 2009

Von Kapitalismus und anderen Zwischenfällen

Jeder, der mich etwas besser kennt, weiß, dass mir jegliche romantische Gefühle gegenüber Kommunismus, Feminismus und co. stets abgegangen sind. Revolutionsromantik gleichwohl. Nach einem geflügelten Wort hat ein Mensch, der mit 18 kein Kommunist ist, kein Herz, ein Mensch, der mit 30 immer noch Kommunist ist, keinen Verstand. Auf diese Art von Herz und Verstand verzichte ich gerne, denn ich nähere mich dem Thema irgendwie von einer untypischen Weise. Ganz ohne Romantik - glaub ich zumindest. Und mit Verstand - hoff ich zumindest. 

Eigentlich wollte ich nur mal wieder an einem Seminar der Böll-Stiftung teilnehmen, wie es sich als Stipendiatin gehört. Ohne es zunächst zu realisieren, bin ich damit auf einem riesigen Kapitalismus-Kongress von Attac gelandet, der dieser Tage in Berlin stattfindet. Attacis gehörten für mich bisher - ganz herzlos - zu der Art Leuten, die ich gemeinhin unerträglich finde: linksalternative Querulanten, die aus Prinzip einfach mal dagegen sind. Meine Lieblingspartei, der ich nun auch schon 13 Jahre lang angehöre, hat von dieser Sorte Mensch zumindest an der Basis auch reichlich. Aber erstens haben Koalitionszwänge - oder sollte ich sagen: Machtwillen? - die letzten Jahre parteiintern ganz erstaunlichen Realitätssinn - oder sollte ich sagen: Idealverlust? - hervorgebracht. Zweitens sind diese Leute an der Basis der Grund dafür, warum ich von Bezirksgruppentreffen regelmäßig fliehe. Bei Attac hingegen vermutete ich wirkliche Chaoten, jedeR gegen jedeN, eine Kakophonie spinnerter Ideologien.

Samstag früh morgens an der TU. Hunderte Leute schlurfen schon durch die Uni, das unglaublich dicke Programmheft in der Hand. An jeder Säule klebt ein Plakat, von dem Marx mich streng anschaut oder sich mir rote Graffiti-Fäuste entgegenrecken - auch du, Genossin, bist gefragt! Oh nee, das klingt anstrengend. Und veganen Kuchen gibts. Alle Befürchtungen glaube ich bestätigt. Aber das Programm ist wirklich beeindruckend. Fast hundert Seminare, Workshops, Podiendiskussionen mit z.T. hochkarätigen Besetzungen, alles dabei, von Kapitalismus und Ökologie über Kapitalismus und die Ernährungskrise oder Alternativen zum Kapitalismus bis zu Medienkritik, Demokratiekonzepten, feministischer Kapitalismuskritik oder Einführungen in den Marxismus. 

Am allerbeeindruckendsten finde ich jedoch ganz einfach die Tatsache, dass an einem verregneten Samstag morgen Hunderte Menschen wirklich jeden Alters - und zwar von ca. 15 bis 80 Jahren total gleichmäßig verteilt - sich für einen ganzen Tag einfinden, um richtig ernsthaft über all diese Themen zu diskutieren. In den Kaffeepausen sieht man ein paar Jungs, die man sich eigentlich besser auf nem Skateboard vorstellen kann, über die Möglichkeiten und Grenzen eines radikalen Pazifismus diskutieren. Schicke junge Frauen informieren sich an einem Stand über kritischen Konsum und kaufen Broschüren. Ein Jüngling neben mir malt mit einem pinkfarbenen Textmarker in Naomi Kleins 'No Logo' eifrig rum. Dabei ist doch heute Samstag, und für einen Großteil der Leute dieser Altersgruppe ist vermutlich Deutschland sucht den Superstar das Highlight des Tages. Hier jedoch wird auf einem Podium diskutiert, wie Massenmedien - von Google über die Springerpresse bis zur Tagesschau - Realität produzieren statt darzustellen, Zusammenhänge verzerren statt zu erklären.
         
Wer mich kennt, weiß auch, dass ich ein recht ironisches Verhältnis zu jeder Art von Gutmenschentum pflege. Aber das hier, es beeindruckt. Wenn ich sehe, wie Frauen - und Männer!!! - mit viel Engagement und Spaß über das Verhältnis von Feminismus, Kapitalismus und Marxismus diskutieren, dann kriege ich ehrlich gesagt eine krasse Wut, dass so viele intelligente - oder sollte ich sagen: gebildete? - Frauen um mich rum glauben, ihr größtes Problem sei der richtige Push-Up-BH, die ideale Mascara oder ein Mann, den sie runtergehungert beglücken können. Die glauben, Feminismus betreffe sie nicht. Ich werde wütend auf Männer, die die Tatsache, dass sie ihre maskuline Identität nur über eine Vollzeitstelle definieren, nicht einmal bedenkenswert finden. (Hier entspinnt sich im Publikum jedoch unter einigen Männern eine Diskussion bzw. Selbsthilfegruppe, die rührend ist: einer nach dem anderen berichtet von dem Gefühl der Entwertung, die Arbeitsplatzverlust oder Renteneintritt für sie bedeutet haben, und der Erleichterung, darüber endlich einmal reden zu dürfen.) Ich bin genervt, dass einige gebildete Menschen in meinem Umfeld nicht einmal Willens sind, über all die Zusammenhänge nachzudenken - geschweige denn, irgendwas zu ändern. Konsumverhalten ändern oder Selbstbild zu ändern oder einfach nur mal drüber zu diskutieren. Ohne jetzt zu selbstgerecht rüberkommen zu wollen - oder zu behaupten, dass mich Tag und Nacht nichts anderes umtreiben würde: wie kann man all das ausblenden???? Gerade als Frau???? Aber eben auch zunehmend als Mann...(ist ja eh alles konstruiert :)....)

Auf dem Heimweg nehme ich das ZEIT-Magazin in die Hand. Titel: "Ein Heft über das Glück des Shoppings". Es ist offensichtlich nicht ironisch gemeint, stelle ich fest. Darüber kann ich grade nicht mal mehr müde lächeln. Fotos von hysterisch mit Einkaufstüten winkenden Frauen in lächerlich hohen High Heels. Wenigstens Harald Martensteins Kolumne enttäuscht mal wieder nicht. Zitat: "Arbeit ist Zwang. Diese kleine Wahrheit ist heutzutage tabu. Seitdem es Menschen gibt, haben die meisten von ihnen gearbeitet, um zu leben, nicht, um ihr Selbst zu verwirklichen. Die Verwandlung der Arbeit in eine für alle jederzeit angenehme Selbstverwirklichungstätigkeit ist Kern der kommunistischen Utopie. (...) Auf die Idee, dass abhängige Arbeit in einem ganz normalen Betrieb automatisch mit Selbstverwirklichung einhergeht, dass diese Arbeit besser fürs Selbstbewusstsein und fürs Ich ist als zum Beispiel Familie oder Kinder, auf diese Idee kann man nur kommen, wenn man gut ausgebildet ist und zur oberen Mittelschicht einer reichen Gesellschaft gehört." 

Ich frage mich auch, warum ich über all das hier erst jetzt anfange nachzudenken, ohne gleich wieder zu fliehen. Nicht mit 18, sondern mit 31. Vielleicht ist der Grund der, dass das hier keine Fragen des Herzens sind. Sondern des Verstands. 


Donnerstag, 5. März 2009

Es wäre doch schade, wenn ich diese Bilder nur mit anderen facebook-Usern teilen würde:

http://www.4ortho.de/vkbbild.htm

Irgendwann demnächst lasse ich mir endlich ein neues Kreuzband ins Knie reinoperieren, und nach anfänglichem Schock bin ich nun gruselfasziniert von dem, was bald in meinem linken Knie passieren wird. Ey, schaut euch diese Sehne an, dieses dicke weiße Teil, das sie erst irgendwo anders aus meinem Körper rausschneiden werden! Die falten sie dann ein viermal, bevor sie sie in mein Knie reinzuseln  und mit einer Bioschraube fixieren, die sich dann mit der Zeit auflösen wird. Ist das nicht irre?? Ich habe Ehrfurcht vor der Schulmedizin. Und bin froh, dass ich was studiert habe, wofür ich keine Skalpelle brauche...


Schon wieder. Egal, an welchem Wochentag in welchem Monat zu welcher Uhrzeit ich von Kreuzberg aus mit dem Rad nach Hause fahre: immer immer immer ist da ein Auto. Nicht irgendein Auto irgendwo. Im Gegenteil. Tagsüber wundere ich mich ja gar nicht. Da fahren viele Autos rum, wir sind ja in Berlin, Hauptstadt und Metropole und so. Autos gehören da dazu, klar. Aber nachts wird Berlin in vielen Teilen zum Dorf. Man kann eine halbe Stunde fahren und nur gefühlte fünf Autos sehen. Die Bergmannstraße ist nachts, zumal an Wochentagen, eh tot. Der Prenzlauer Berg Kreuzbergs: alle Kleinkinder im Holzbett, die Journalisteneltern sind überm Bioweißwein eingenickt, die Volvos und Minicooper parken in Reih und Glied. Keine fahrenden Autos in Sicht. Am Mehringdamm dann manchmal der Kick, vor genervten Taxifahrern grade noch über die Kreuzung zu heizen. Dann wieder Ruhe. Im Winter hört man nicht einmal die Bongos ausm Viktoriapark. Und dann ist da ein Auto. Denn da ist IMMER ein Auto. Immer. Wirklich immer. Sobald ich mich der Ecke nähere, muss ich ein wenig langsamer fahren. Denn es wird da sein. So sicher, wie auf den Tag die Nacht folgt. Ein Auto brettert von rechts ziemlich schnell ran. Aus der Möckernstraße. Wie immer. Und zwar genau, haargenau, dann, als ich auf der Höhe der Straßenecke bin. Dabei ist die Straße doch echt klein und unbedeutend. Ich bremse ab. Der Autofahrer bremst ab. Ich frage mich, ob der Autofahrer auch denkt: da ist immer ein Radfahrer. Immer. Wirklich immer.  Es ist Mittwoch nacht, 1.45 Uhr. Und wir starren uns kurz an. Als ob in der Möckernstraße Autos  in einer Schlange stehen und darauf harren loszuschießen, sobald ich angefahren komme. Ist der Fahrer ein Protagonist in meinem Leben? Eine Figur, die austauschbar ist? Nur eine Variable? Oder bin ich nur eine Spielfigur für sein Leben? Der Radfahrer, der immer da ist? Ich lebe in einer Parallelwelt, von der meine Freunde nichts ahnen. Der Welt derjenigen, die sich nachts an der Ecke Kreuzbergstr./Möckernstr. begegnen. Es gibt Schlimmeres.

Dienstag, 3. März 2009

Wo ist Fridolin Lützelschwab?

Wenn man an einem öffentlichen Computer sitzt, passieren mitunter seltsame Dinge, die die Phantasie anregen. Eben, in der Bibliothek, haben meine Vorgänger sich nicht richtig ausgeloggt. Also wurde ich, als ich die facebook-Seite öffnete, erst einmal als 'olemad' aus Norwegen identifiziert. Hm. Ole Madsen vielleicht? Klingt sehr norwegisch für meinen Geschmack. Schon sehe ich Fjorde vor mir, Fischkutter, bunte Häuser, hochgewachsene blonde Wikingerjungs - ich drehe mich um, ob ich ihn irgendwo um mich rum noch entdecke. Kein Wikinger in Sicht. Schade. Dafür sehr norwegisches Wetter draußen am Potsdamer Platz.
Kurz darauf möchte ich per copy-paste einen Link in einer Email verschicken. Anscheinend funktioniert das an diesen Windowsmaschinen jedoch anders als an meinem Mac. Als ich die Linkadresse nämlich einfügen möchte, erscheint dort plötzlich 'Fridolin Lützelschwab'. An Arbeiten ist nun nicht mehr zu denken. Wer um Himmels Willen ist wohl Fridolin Lützelschwab? Wer, um Himmels Willen, HEISST Fridolin Lützelschwab? Wie kommt er auf meinen Bildschirm? Woher? Warum? Wollte ich ein Buch schreiben: ab heute MÜSSTE meine Hauptfigur einfach Fridolin Lützelschwab heißen. Hinter Fridolin Lützelschwab kann ich nun nicht mehr zurück. Ich drehe mich um. Wer von euch kennt Fridolin Lützelschwab? Einer hier drinnen muss es ja sein. Tut doch nicht so!!!

Montag, 2. März 2009



Irgendwie, ich weiß ja auch nicht, irgendwie find ich die gruslig. Nachts, wenns dunkel ist, hoppeln die sicher alle los und zerhacken süße kleine Kindergesichter mit ihren spitzen Zähnchen. Tausend kleine Monster ausm 'Schlaflied' der Ärzte. Gefüllt mit den Eingeweiden kleiner Charlottes und blondgelockter Noahs. Ostern kann so grausam sein.



Vor solcher Sprachakrobatik verneige ich mich. Hölle und Gülle in einem wunderschönen Kompositum vereint. Mehrdeutigkeit mit absoluter Sinnhaftigkeit. Polysemie heißt das auf intellektuell. Aber ich glaube, das hier ist doch eher Kunst. 

Mittwoch, 18. Februar 2009

Deshalb also. Extensions! Ein Skandal erschüttert Deutschland. Die neue Miss Germany hat sich künstlich die Haare verlängern lassen! Mir ist noch nicht ganz klar, wo genau das Problem liegt: dass die Lady ohne die rangeknüpfte Mähne nicht gewonnen hätte (weil Mädchen ja lange Haare haben sollen, war schon immer so, hah). Oder dass sie wissentlich - arglistig! -  getäuscht hat. Denn das ist ja schon was anderes als Wimperntusche mit Verlängerungspartikeln, jahrelanges Fitnesstraining, kompaktdeckendes Makeup, Cellulite-Paste oder eine Mahagoni-Tönung - alles im Spektrum der femininen Natürlichkeit. Aber Extensions! Die gehören doch gar nicht zu ihr, für die bräuchte man fast nen eigenen Wettbewerb. Seit Britney Spears haftet den Strähnen auch noch der Ruf des White Trash an. (Aber das ist mit Miss Germany ja nicht wirklich anders.)


Meine Nachbarin aus der Karibik hat jetzt auch Extensions. Sogar in einem anderen, röteren Farbton. Ihr Kommentar: "I have paid for them. So they are MINE."

Dienstag, 17. Februar 2009

oben unten außen innen - you know what I mean :)

Sonntag, 15. Februar 2009

Der Natur ausgeliefert - eine vertrackte Sache, das mit den Hormonen....

Samstag, 14. Februar 2009

Islamwissenschaftler trinken auf ihren Parties seit neuestem gerne 'Gaza libre'. Was soll ich dazu noch sagen?

Freitag, 13. Februar 2009


Selten fühlt man sich als Frau weniger geschmeichelt, als wenn einem ausgerechnet hier nachts ein Mann aus einem langsam fahrenden Auto zuwinkt. Was war es?  Die großen, glitzernden Ohrringe? Oder einfach die Tatsache, dass frau nach Mitternacht bei diesen eisigen Temperaturen gerade hier rumsteht? 

Welch unverdientes Privileg, dass ich gleich in den Bus steigen kann - und die anderen Ladies mit vermuteten 6 Leggins übereinander weiter der Februarkälte trotzen. Und auf langsam fahrende Autos hoffen (müssen). 

Montag, 9. Februar 2009

   

Als ich heute am Potsdamer Platz stand und auf die mickrigen Hochhäuser um das Sony Center herum blickte, vor mir eine Straße voller Golfs und Opels, vermisste ich New York. Die Größe, die Weite, das sich Verlieren, die Menschenmassen, die Rastlosigkeit. Wenn ich dort durch die langen Straßenschluchten lief, hörte ich auf meinem iPod gerne deutsche Musik - das brachte einen so starken Kontrast, dass alles noch viel schärfer, konturenreicher erschien. Heute, am Potsdamer Platz, schloss ich, während ich auf den Bus wartete, meine Augen, hörte aufm iPod die Ärzte und gab mich der Illusion hin, am Columbus Circle zu stehen. 





Sonntag, 8. Februar 2009

Filme aus dem 'Orient' haben gerne botanisch-kulinarische Titel.  Zitronen, Kirschen, Zimt und Koriander regen die mitteleuropäische Phantasie an und sind damit die politisch korrekten Ersatzsymbole für Harem, Schleier, Kamel und Turbane. Nun also 'Granatäpfel und Myrrhe'. Der Moderator von der Ebert-Stiftung gibt eine unerträgliche Einführung. In schönstem VHS-Englisch erklärt er tausendundeinenachtgleich die Symbolik des Titels, redet vom Himmelssamen im Granatapfel und der die Bitternis des Lebens symbolisierenden Myrrhe. Hach ja. Das Publikum ist entzückt, ergriffen, bewegt. Orient macht glücklich. Kurz noch den Frieden streifen, den sich doch alle so sehr wünschen. Nochmal hach ja. Alles sehr tiefgründig. Der Film hat schöne Bilder, keine Frage. Auch viel Botanik. Olivenbäume, viel Essen, Blüten, Musik. So friedlich und schön ist der Orient. Kein Kopftuch stört das Bild. Alles Christen. Denn die mögen die Israelis (oder sollte ich Juden schreiben?) genauso wenig wie Muslime, so die Botschaft. Israelis in dem Film haben - bis auf eine Anwältin - grundsätzlich Uniformen an, sind männlich und werden mit Vorliebe hinter Maschinengewehren gezeigt. Sie brüllen nonstop, und oft sieht man nur die schweren Stiefel. Die palästinensischen Frauen hingegen haben alle beeindruckende schwarzgelockte Mähnen, recht tiefe Dekolletés, rauchen und tanzen. Feminin, sinnlich, leidenschaftlich. Nicht wie die maskulinen, harten, gefühllosen Israelis. 
Nach dem Film die obligatorische Diskussion. Die Produzentin des Films ist da, eine junge Palästinenserin, an deren Lippen das entrückte Publikum hängt. Es wird von der Menschlichkeit des palästinensischen Volkes geredet, nochmal ein Rekurs auf die Himmelssamen und die bittere Myrrhe, auf Frieden und Besatzung, den die Palästinenser alle wollen, die andere Seite ja leider nicht. Eine einzige kritische Frage aus dem Publikum, Bezug nehmend auf Hamas und co., wird vom Moderator abgewürgt: keine Politik bitte. Häh??? Der Rentner, der nochmal ausführlichst auf das 'Besatzungsregime' eingeht, bekommt tosenden Applaus. Co-Diskussantin ist, da Matthias Platzeck krank wurde, die Familienministerin von Schleswig-Holstein, die es schafft, eine Platitüde nach der anderen von sich zu geben, permanent die Produzentin zu umarmen und von 'Freiheit' und 'Würde' zu sprechen. Politik ist so einfach. Stop, wir reden ja nicht über Politik, ich vergaß.  Dafür über die deutschen Medien, die alle nie zeigen würden, dass Palästinenser Menschen sind. Ich denke kurz daran, dass selbst die ZEIT mehrere Wochen das Kriegstagebuch einer Mutter aus Gaza abdruckte, wo Palästinenser alle unschuldige kleine Kinder sind, die doch nur an die frische Luft zum Spielen wollen. Israelis sitzen in den Panzern, die das so schwierig machen. Oder eben doch Juden? Weil die Christen und Muslime wollen ja alle Frieden. Bis der kommt, singen sie, tanzen, heiraten und essen sie. Zimt, Koriander, Myrrhe und Granatäpfel. Nur die Kamele fehlen. Schade. Ich mag Kamele. Sie sind so 'anders'.

Montag, 2. Februar 2009

manchmal wünscht man sich etwas oder jemanden so lange schon, dass man im laufe der zeit oft gar nicht mehr drüber nachdenkt, ob man den/die/das wirklich noch vermisst. und dann ganz verwundert feststellt, dass das gefühl des fehlens, der leerstelle, der sehnsucht gar nicht mehr da ist.